Weiter Richtung Osten und über den Amu Darya

Am Sonntag besuchen wir Abdullah, den Professor für Architektur der Universität Mashhad, den wir in Pasargad getroffen hatten. Er ist mit seinen knapp 30 Jahren nicht viel älter als seine Studenten, mit denen er sehr familiär umgeht. Dank seinem enormen Wissen über Geschichte, Kultur und die verschiedenen Religionen seines Landes strahlt er eine natürliche Autorität aus. Für uns ist es ausserordentlich spannend, ihm zuzuhören, da er auch die modernen abendländischen Architekten wie Mies van der Rohe, Gaudì, … (die weiteren Namen sind mir entfallen) und sogar Zumthor und das Thermalbad Vals zitiert. Immer wieder stellt er stolz den Bezug zur islamischen Baukunst her, und ich stelle verblüfft fest, dass dort schon sehr früh der Leitsatz „less is more“ angewendet wurde, ebenso wie die auf Fraktalen basierenden Ornamente, die wir von Computeranimationen und frühen Bildschirmschonern kennen. Zusammen mit einem seiner Studenten, der ein Auto hat, werden wir zum Shishlik-Essen nach Shandish ausgeführt, in eine Region ist bekannt für bestes Fleisch, welches an Spiessen über besonders wohlduftenden Sträuchern gebraten wird. Anschliessend zeigt Abdullah uns sein Heimatdorf Zoshk, das in einem fruchtbaren kühlen Tal liegt.

Wir besuchen den Obstgarten seines Vaters und lernen seine Schwester mit ihrer Tochter Roxana kennen. Obwohl die Sprachbarriere zwischen ihr und mir gross ist, verstehe ich, dass sie und ihre Familie den Zoroastriern nahestehen und grosse Erfurcht vor Erde, Luft, Feuer und Wasser haben. Sie schenkt uns zum Abschied einen grossen Sack mit Dörrfrüchten. Es sind sonnengetrocknete Aprikosen und Pfirsiche, die mit Baumnüssen gefüllt sind. Eine ideale Energiequelle für unsere Weiterfahrt.
Im Guesthouse von Vali (offiziell heisst es „Vali’s Non-Smoking Homestay“), wo wir seit ein paar Tagen wohnen, sind inzwischen zusätzlich zu Nicole und Nik weitere Radreisende eingetroffen: Pip aus Neuseeland und Kim aus Australien. Sie sind in Kirgisien gestartet und haben das Ferganatal, Usbekistan und Turkmenistan durchquert. Ab Mashhad werden sie zusammen mit einem australischen Freund über Iran in die Türkei fahren. Auch Vincent, ein junger Holländer, macht bei Vali Station. Ich geniesse es, mit den anderen Reisenden zu plaudern, Erfahrungen auszutauschen und gegenseitig die Ausrüstung zu beaugapfeln.
Pip, Kim und Steven beim Abschied in Mashhad, fotografiert von Nik
Als wir am Montag das turkmenische Visum abholen wollen, werden wir abgewimmelt und auf Dienstag vertröstet. Doch Reto lässt nicht locker. Eine Stunde später stehen wir wieder in der Schlange vor dem Schalter der Botschaft. Zusammen mit uns warten mehrere Chauffeure ebenfalls auf ihre Visa. Obwohl die Schlange eher einer Traube gleicht, scheint es eine Reihenfolge zu geben. Als wir endlich dran sind, erhalten wir ein neues Formular zum Ausfüllen, denn auf unserem bereits vorbereiteten Antragsformular steht neben der Unterschrift das gestrige Datum. Korrigieren nicht erlaubt! Also machen wir uns erneut ans Ausfüllen, lösen die Bostitchklammern der Fotos und befestigen diese neu, und all das nicht etwa in einem klimatisierten Büro, sondern draussen in der stickigen Hitze der Strasse. Wir warten wieder vor dem Schalter im Kabäuschen aus Glas, wo wir dicht an dicht mit iranischen Vertretern und tadschikischen Chauffeuren stehen. Die Hitze und das Gedränge werden immer unerträglicher. Jetzt sagt man uns, dass am Montag, d.h. heute, nur Transportgesellschaften bedient werden. Wir könnens nicht glauben, stehen wieder in die Schlange, und siehe da, nach weiterem geduldigen Warten dürfen wir doch noch heute das Formular mit unseren Pässen dem launischen Konsul durch das Fensterchen in der Wand übergeben. Um 16 Uhr sollen wir wieder kommen. Obwohl es dann fast 17 Uhr wird, bis wir unsere Pässe mit den gewünschten Visa wieder in unseren Händen halten, sind wir überglücklich. Im Hostel spendieren wir Saffranglace mit Rosenwasser und geniessen ein letztes fantasiereich, liebevoll und sorgfältig zubereitetes Essen von Esmat. Dann gehts an Packen. Darin haben wir inzwischen Übung. Nach einer kurzen Nacht essen wir mit Vali Frühstück und verabschieden uns von Nicole und Nick, die extra für uns aufgestanden sind. Um halb 6 fahren wir los. Vali begleitet uns auf seinem Velo bis zur Ausfahrt Richtung Sarakhs, dem Grenzort an der turkmenischen Grenze. Zum Glück hat es noch nicht viel Verkehr, und wir sind froh, die Grossstadt Mashhad hinter uns zu lassen.
Wir kommen zügig voran. Die Strasse ist gut und die Temperaturen sind noch erträglich. Ich geniesse es, zusammen mit Reto wieder unterwegs zu sein.

Wenn wir in eins der seltenen Dörfer kommen, kaufen wir kühle Getränke, machen eine kurze Pause und essen etwas. Anfangs Nachmittag erleben wir wieder einmal einen Glücksfall. Bei einer grossen modernen Moschee kaufen wir etwas Kleines ein. Der junge Mann, der den Laden führt, faltet seine Hände zu einem Kissen, führt sie zu seiner Backe und neigt seinen Kopf fragend darüber. Wir verstehen: „Ob wir vielleicht schlafen möchten…?“ Wir nicken. Er fordert uns auf, ihm zu folgen, und führt uns zur Moschee. Er holt einen Schlüssel und öffnet einen Raum für uns, der mit Teppichen und Kissen ausgestattet ist. Ideal für eine Siesta. Wir sind froh, der Mittagshitze entfliehen zu können und ruhen uns ein paar Stunden aus.

Gegen 6 Uhr fahren wir weiter. Bevor wir unser Zelt aufstellen, gilt es einen kleinen Pass zu überwinden. Es sind zwar nur gut 500 Höhenmeter, doch die Strasse ist stellenweise so steil, dass ich schieben muss.
Am nächsten Morgen stehen wir sehr früh auf. Wir verzichten auf das Frühstück und wollen starten, sobald es hell genug ist. Bei der zu erwartenden Hitze ist es wichtig, die kühlen Morgenstunden vor Sonnenaufgang zu nutzen. Bis zur Grenzstadt Sarakhs fehlen uns etwa 70 km. Da ich einmal mehr Probleme mit Sitzen auf dem Sattel habe, werden die letzten paar Stunden eher zur Qual. Ich hoffe, dank Cortison- und Antibiotika-Salbe bald wieder ohne Schmerzen auf meinem doch sonst so geliebten Drahtesel reisen zu können.
Bis zur Grenze nach Turkmenistan sind es nur 2 km und zur nächsten Stadt weitere ca. 10 km. Der Grenzübertritt ist problemlos, es braucht einfach alles seine Zeit. Die Frauen vom Zoll sind fröhlich und hilfsbereit, und wir sind geduldig. Im turkmenischen Sarakhs angekommen, muss ich mir eingestehen, dass ein Weiterfahren mit dem Velo heute nicht sinnvoll wäre. Ich würde es keine zwei Stunden im Sattel aushalten. Doch da wir vorwärts müssen und nur ein 5-Tages-Visum haben, bleibt nur eins: Taxi bis Mary, der nächsten Stadt auf unserem Weg durch Turkmenistan. Wieder einmal muss Reto die Velos auseinander nehmen, bis sie in Kofferraum und auf dem heruntergeklappten Hintersitz Platz haben. Für die ca. 180 km auf holpriger Strasse wechseln wir uns auf dem relativ komfortablen Beifahrersitz und einem schmalen „Liegeplatz“ auf den Sacochen zwischen den Velos ab. In Mary suchen wir vergeblich die im Lonely Planet, unserem Reiseführer, empfohlene Familienherberge „Caravanseray“. Doch niemand scheint diese zu kennen. Wir suchen weiter und fahren die Strassen rauf und runter. Da werden wir von ein paar Männern, bei denen wir uns vorher erkundigt hatten, in eine Seitenstrasse gerufen. Zu unserer grossen Überraschung ist ein Velofahrer bei ihnen: Vincent, der junge Holländer. Auch wenn wir in Mashhad nicht viel Kontakt mit ihm hatten, freuen wir uns sehr über das Wiedersehen. Die uns neugierig umrundenden Turkmenen telefonieren für uns mit einem Motel am Stadtrand, wo wir dank ihrer Hilfe bald darauf ein riesiges Dreierzimmer mit Aircondition, Kühlschrank und Fernseher beziehen. Im grossen Badzimmer kochen wir mithilfe unseres Benzinkochers Spaghetti. Wir erzählen, was wir seit Mashhad erlebt haben, und von Vincent erfahren wir, dass er in der letzten Nacht in Iran überfallen und beraubt wurde, als er draussen unter einer Brücke schlief. Er hatte Glück und die dreisten Diebe haben ihm neben ein paar Rials, der Sonnenbrille und seinem Swiss Army Knife „nur“ ein paar für sie unbrauchbare Erinnerungsstücke entwendet. Doch wir spüren, dass der Schock noch immer tief sitzt. Ich schenke ihm mein zweites Militärsackmesser, das ich für mich als Reserve dabei hatte.

An unserem zweiten Tag in Turkmenistan fahren wir zum Frühstück in die Stadt Mary, kaufen auf dem Markt Gemüse und Früchte ein und kurven zu dritt mit unseren Velos durch die Stadt. Es ist eine wahre Freude und ein Augenschmaus, die turkmenischen Frauen in ihren bunten, knöchellangen Kleidern zu sehen. Viele lächeln uns an und winken uns zu. Nach den oft schwarz verhüllten Frauen, die wir in den letzten Monaten in Iran gesehen haben, können sich meine beiden männlichen Begleiter kaum sattsehen, und auch ich freue mich am Anblick all der der vielen fröhlichen und schönen Frauen.

In einem monumentalen Prunkbau aus Marmor und viel Gold besuchen wir das Ethnografische Museum. Wir bewundern Jurten, Teppiche, Silberschmuck, Hochzeitskleider der turkmenischen Nomaden sowie  Ton- und Glasgefässe aus Merw. Besonders gefesselt bin ich von den anthropomorphen weiblichen Figürchen, die in dieser Region zu Hunderten und Tausenden gefunden wurden. Es sind lustige Fruchtbarkeitsgöttinen, die eine Art Flügel haben. Ihr Kopf gleicht dem eines Vogels. Efgenia war vor ihrer Pensionierung Direktorin des Museums. Unter ihrer sachkundigen Führung besuchen wir am nächsten Tag Merw, welches schon in der Bronzezeit (mehr als 10 Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung) besiedelt war. Im 11. Jahrhundert zerstörten mongolische Horden unter Dschinggis Khan die prosperierende Stadt, in welcher vor der Islamisierung Christen, Juden und sogar Buddhisten gelebt hatten. Übrig geblieben sind – neben kilometerlangen dicken Stadtmauern – Ruinen von eindrücklichen Palästen, Burgen, Mausoleen, ebenso Trümmerfelder, in denen wir viele bunte Tonscherben und blaues Glas aus der Zeit der Seldschuken des 11. und 12. Jahrhunderts fanden.

Ich bin noch nicht soweit erholt, dass an eine Weiterfahrt mit dem Velo zu denken wäre, umso mehr, als die extreme Hitze in der Karakul-Wüste meine Probleme noch erhöht hätte. So reisen wir zu dritt mit dem Bus bis Turkmenabat.

Nicole und Nik, die wir in Bukhara wieder treffen werden, schaffen die ganze Durchquerung von der iranischen bis zur usbekischen Grenze aus eigener Kraft, ebenso wie Pip und Kim in Gegenrichtung ein paar Tage vorher.

Gänsehaut verschafft mir dann die Fahrt bei Sonnenuntergang über den mächtigen Amu Darya-Fluss (Oxus), einer ähnlichen magischen Grenze wie der des Rio Grande gegenüber Patagonien. Nich nur für Alexander den Grossen stellte der Amu Darya eine Zäsur dar; für uns wird das Abenteuer „Seidenstrasse“ neue Dimensionen annehmen.

Doch vorerst stellen die Männer in der sandigen Uferzone die Zelte auf, während ich wieder einmal Reise koche. In Ermangelung von frischem Gemüse kommen grüne Erbsen und Maiskörner aus Konservendosen dazu. Nachdem wir unseren Hunger gestillt haben, geniessen wir einen süssen Milchkaffee („Nescafé 3 in 1“). Diesen Luxus gönnen wir uns, solange der Vorrat aus Iran reicht.
Jetzt, wo wir Vincents Geschichte der letzten paar Tage kennen, verstehen wir gut, dass er froh ist, nicht alleine reisen und zelten zu müssen.

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Auf dem Sprungbrett nach Zentralasien

Die Rückfahrt von Masuleh nach Rasht ist eine Plauschfahrt. Auf den rund 80 km geht es fast 800 m runter und so können wir uns den Wind um die Ohren sausen lassen. In Rasht angekommen, müssen wir noch vor den islamischen Festtagen Geld wechseln, und dann nehmen wir den nächsten Bus nach Qazvin. Das reservierte Hotel beziehen wir schon gar nicht, da sich dessen Inhaber so herablassend verhält, dass mir der Kragen platzt. Aus Not müssen wir dann in eine Hotelklasse wechseln, die nicht ganz in unser Budget passt. Dafür hilft uns zum ersten Mal auf unserer Reise jemand bei Herauftragen unseres umfangreichen Gepäcks ins Zimmer. Und als wir ihnen am nächsten Tag mitteilen, dass wir aus finanziellen Gründen ausziehen müssten, offerieren sie uns grosszügig die weitere Benutzung des Internetanschlusses ihres Hotels. Ein Angebot, das wir gerne annehmen, umso mehr als wir bei jedem kommenden Besuch herzlich begrüsst wurden. Ob es so etwas in der Schweiz auch gibt?
Qazvin bietet nicht sehr viel, aber die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für das Alamuttal. Dort liegen die Burgen der Assassinen. Die Assassinen waren im 12. Jahrhundert so berüchtigt und gefürchtet, dass Kunde von ihnen bis nach Europa drang und ihr Name in mehreren Sprachen Synonym für das Wort „Mörder“ wurde. Die Assassinen waren eine islamische Sekte, und die schwer zugänglichen Burgen in den schroffen Bergen waren wahrscheinlich eher Zufluchtsort vor Verfolgung, als Mördernester. Die legendenumwobenen Geschichten über die Assassinen hatten es uns angetan, und wir beschlossen, die Überreste ihrer Heimstätten zu besuchen. Ursprünglich wollten wir sie per Velo besuchen. Dann stellten wir jedoch fest, dass wir die Beantragung unseres Visums für Turkmenistan etwas verschlafen hatten. Unser iranisches Visum läuft in etwas mehr als 2 Wochen aus und wir müssen bis dann das Visum beschaffen und in den Osten Irans reisen. So reduzieren wir unseren Besuch auf einen Tag und fahren mit einem Taxi zu den Burgen der Bösewichte. Deren Lage ist auch heute noch sehr beeindruckend, von ihrer Grösse und raffinierten Bautechnik kann man sich jedoch nur noch anhand der Informationstafeln ein ungefähres Bild machen. Auch die Fahrt durch die wilde Landschaft des Alamuttales gefällt uns, passt sie doch zu den unglaublichen Geschichten über die Assassinen.
Am übernächsten Tag nehmen wir den Bus und fahren etwa 16 Stunden bis nach Mashad im Osten Irans. Auf dem Weg nach Mashad durchqueren wir zum zweiten Mal auf unserer Reise per Bus den Verkehrsmoloch Teheran. Die Stadt ist innert kurzer Zeit auf 17 Millionen Einwohner angewachsen und wird vom überbordenden Strassenverkehr im engsten Würgegriff gehalten. Dabei ist es nicht nur das Verkehrsaufkommen, sondern auch das Verhalten der Fahrer, welches das Chaos verursacht. So liebe Leute die Iraner auch sind; als Fahrer eines motorisierten Vehikels mutieren die meisten von ihnen zu unberechenbaren, verantwortungslosen Kämpfern. Verkehrsregeln sind reine Makulatur und werden von der Polizei kaum durchgesetzt. Rotlichter werden missachtet, es wird in der falschen Fahrrichtung gefahren, Nachts wird das Licht nicht eingeschaltet, mitten im grössten Verkehr wird auf der Strasse angehalten oder auf die Gegenfahrbahn gewechselt. Vor allem für die zahlreichen Motorradfahrer zählt nur das eigene schnelle Vorwärtskommen. In halsbrecherischem Tempo schlängeln sie sich durch die Autos, man fährt auf der Strassenseite, wo es einem passt, Trottoirs werden befahren und die Fussgänger rücksichtslos vertrieben. Kinder im Alter von zehn, zwölf Jahren fahren Motorrad, bis zu vier Erwachsene hocken drauf. Und all das wird durch das immense Verkehrsaufkommen und die Hektik in Teheran noch potenziert.
Mashad ist eine der heiligen Städte Irans, da hier nach schiitischer Überzeugung einer der Nachfolger des Propheten Mohammed begraben ist. Wir sind jedoch weniger auf’s Pilgern aus als auf den Besuch des sich hier befindlichen turkmenische Konsulates. So machen wir uns auch gleich nach unserer frühmorgendlichen Ankunft in Begleitung unseres Gastwirtes zum Besuch des Konsulates auf. Die Abfertigung der Besucher erfolgt über einen strassenseitigen Schalter der durch einen Glasvorbau geschützt ist. Ein Zettel an der Scheibe kündigt an, dass das Konsulat heute aus technischen Gründen geschlossen ist. Als Alternativprogramm gehen wir dann doch zum heiligen Schrein, der sich inmitten eines riesigen, abgeschlossenen Bezirks von Moscheen und Gebäuden für die Pilgerbetreuung befindet. Zum Betreten des Bezirks müssen wir unsere Rucksäcke deponieren und werden in unterschiedlichen Gebäuden getrennt nach Geschlecht einer Sicherheitskontrolle unterzogen. Ich komme zügig durch die Kontrolle ins Innere des Bezirks und warte bis Rosa Maria aus ihrem Gebäude kommt. Nach langem Warten kommt ein Wärter auf mich zu und bedeutet mir, wieder nach draussen zu kommen. Dort werde ich von Rosa Maria erwartet, die ebenfalls von zwei Wächtern begleitet wird. Es stellt sich heraus, dass sie bereits zum Betreten des äusseren Bezirks einen Tschador benötigt, und nicht erst zum Besuch des heiligen Schreins. Nach einigem Herumtelefonieren werden wir in ein weiteres Gebäude geführt und Rosa Maria wird mit einem Tschador versorgt. Dieser besteht in seiner einfachen Ausführung aus einem grossen rechteckigen Tuch, das den Kopf bedeckt und den Körper umhüllt. Das Tragen dieses Kleidungsstücks stellt sich jedoch bald als tückenhaftes Unternehmen heraus. Mal rutscht es vom Kopf und gibt die Haare frei, dann ist der Körper ungenügend bedeckt, dann tritt man auf den eigenen Tschador. Nervös versuchen wir mit dem rutschigen Tuch eine regelkonforme Verhüllung von Rosa Maria hinzubekommen, sind jedoch nur für kurze Momente erfolgreich. Doch dann gesellen sich zwei junge Frauen zu uns. Sie sind vom „Institut für islamische Beziehungen und ausländische Pilger“. Sie wurden nach unserem ersten erfolglosen Betreten des Bezirks ebenfalls aufgeboten und werden uns auf unserem Besuch begleiten und in Fragen Tschador tragen beraten. Die ganze Anlage ist schon durch ihre schiere Gösse beeindruckend. Auf verschiedenen riesigen Höfen, umgeben von reichverzierten Moscheen und Wandelgängen, halten sich Massen von Pilgern auf. Der Zutritt zum heiligen Schrein wurde dann Rosa Maria von ihren Begleiterinnen doch nicht erlaubt, während ich mich mit kurzärmligem Leibchen und Teva-Sandalen unbehindert darin bewegen konnte.
Am nächsten Tag klappt es dann auf dem Konsulat und wir können unseren Antrag deponieren. Wir hängen nun von der Erlaubnis der turkmenischen Regierung in Ashgabad und der Laune des hiesigen Konsuls ab. Sie werden entscheiden ob wir nach Turkmenistan dürfen und wie lange wir für die Durchreise im Land bleiben dürfen. Mit einem Maximum von fünf Tagen für knapp 500 km durch die Wüste wird es so oder so knapp. Bei unserer Rückkehr in unsere Herberge treffen wir auf Bekannte. Nick und Nicole aus der Schweiz die wir in Esfahan getroffen haben sind ebenfalls in Mashhad eingetroffen. Im Gegensatz zu uns, haben sie die ganze Fahrt durch die Wüste mit eigener Kraft bewältigt!
Die bisherige Wartezeit in Mashad haben wir bis jetzt hauptsächlich genutzt, um den riesigen Rückstand bei der Aktualisierung unseres Blogs zu verkleinern.


Reisfelder vor Qazvin


Moschee von Qazvin


Kräuterverkäuferin am Strassenrand


Alamuttal


Überreste einer Assassinenburg


Überreste einer Assassinenburg


Alamuttal


Alamuttal

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