Der grosse Sprung nach vorne

Von Göreme in Kappadokien haben wir uns vor zwei Tagen verabschiedet und sind bei garstigem Wetter in Richtung Gaziantep losgefahren. Die velofeindliche Topographie kannten wir bereits von unseren Ausflügen rund um Göreme. Die erste Nacht im Zelt ist so erfrischendend, dass unsere Schlafsäcke an ihre Leistungsgrenze kamen. Am nächsten Tag geht’s dann langsam aber stetig höher und entsprechend sinkt die Temperatur. Als der leichte Regen, der uns begleitet, zu Graupel umschlägt, macheen wir kehrt. Es hätten uns noch gut 500 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der Strecke gefehlt, und wir sind schon knapp an der Schneegrenze der umliegenden Berge. Da wir beide noch an den Ausläufern einer Erkältung leiden, fällt uns der Entscheid nicht schwer. Wir fahren in die nächste grössere Stadt zurück und können einen Dolmus-Fahrer überzeugen, uns mitzunehmen. (Dolmus heissen hier die regionalen Kleinbusse, welche eher ungeeignet sind für den Transport von sperrigen Gütern.) In Kayseri angekommen, fahren wir zum weit ausserhalb der Stadt liegenden Busterminal und können uns gerade noch einen nach Gaziantep abfahrenden Bus schnappen. Die Stadt liegt schon fast in der mesopotamischen Tiefebene und vor allem südlich der schneebedeckten Berge, die wir sonst mit dem Velo hätten durchfahren müssen. Unterwegs erfahren wir dann, dass der Bus bis nach Sanliurfa weiterfährt, und so beschliessen wir, dieses zu unserem neuen Ziel zu machen. Morgens um halb zwei kommen wir an und richteten uns darauf ein, die Nacht im Busterminal zu verbringen. Dann aber erfährt Rosa Maria vom Englisch sprechende Toilettenwärter, dass sein Onkel in der Stadt eine Pension führt und dass er diesen telefonisch wecken könne, um uns einzulassen. Er organisiert uns dann auch noch einen Taxifahrer, der uns vom Busterminal in die Altstadt von Sanliurfa lotst. Und so kommen wir dann um halb drei in Nähe der Pension an, wo uns der Onkel bereits erwartet. Jetzt geht’s noch ein steiles, schmales Gässchen bergauf und dann erreichen wir unser endgültiges Ziel. Der nächste Tag empfängt uns mit strahlendem Wetter und angenehmen Temperaturen und so geniessen wir die schon recht orientalisch anmutende Atmosphäre der Pilgerstadt Sanliurfa.

P.S.: Unterwegs werden wir in diesen ersten Tagen immer wieder zu Tee eingeladen, so hier in Develi. Und unterwegs in einer Tankstelle, in welcher wir völlig durchfroren Benzin für unseren Kocher kaufen. Und in Kayseri, während Reto im Regen die Velos wieder zusammensetzt.

 

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