Erste Erlebnisse in Iran

Es ist ein lustiges Erlebnis, in Iran zu erwachen. Lustig, weil unser Zeltplatz einfach ein guter, angenehmer Platz ist, in einer friedlichen Berglandschaft, mit grünen Wiesen, schneebedeckten Bergen in der Ferne, blauem Himmel und schönen weissen Wolken über uns. Frühstück zubereiten und geniessen ebenso wie Zelt zusammenpacken und Velos beladen ist wie an jedem anderen guten Platz.

Wir kommen gut vorwärts, obwohl die erste Erhöhung nach dem Grenzübergang noch lange nicht die letzte war. Doch treffen wir am frühen Nachmittag ohne Probleme in der 1-Millionen-Stadt Urmia (Orumiyeh) ein. Wir nehmen mit unserem Couchsurfing-Freund Houman Kontakt auf. Wir treffen ihn in der Nähe des Bazars, und er fährt uns mit seinem Auto langsam voraus, damit wir die Wohnung finden, in der er mit seiner Frau wohnt. Sie habe bereits ein Mittagessen für uns vorbereitet. Unterwegs werden wir noch von zwei Vertretern und einer Fotografin des Tourismusbüros angehalten. Sie interviewen uns und möchten wissen, wie es uns in Iran gefällt, was für ein Bild vom Land wir vor unserer Reise hatten und was wir erwarten. Zum Abschied schenken sie uns eine ganze Kollektion schöner Postkarten und eine Strassenkarte der Provinz.

Als wir bei Houman und Maria ankommen, werden wir herzlich begrüsst. Wir können das Gepäck abladen, uns waschen und an den gedeckten Tisch setzen. Maria hat extra typische Gerichte aus der Region für uns gekocht. Was für ein beglückendes Erlebnis, bei Leuten, die wir nur über das Internet kennen und die so wenig von uns wissen, so willkommen zu sein.

Am Abend bleiben wir ganz alleine in der Wohnung, da unsere Gastgeber bei Freunden eingeladen sind. Eigentlich wollten sie uns mitnehmen, doch wir sind viel zu müde und sind froh, dass dies verstanden wird. Wir richten unsere Matten auf den weichen Teppichen in der Stube ein und schlafen zufrieden in einem fremden Haus.

Am Sonntag fährt Houman mit Reto zum Busbahnhof. Er hilft ihm, die richtigen Verbindungen für unsere Reise in den Süden zu finden. Unterdessen bereitet Maria den Fisch für das Mittagessen zu. Wir erzählen uns aus unserem Leben. Später kommt Marias Schwester hinzu. Obwohl wir nicht viel reden können, haben wir es gut miteinander. Bald kommt Reto mit den Bustickets nach Shiraz. Wahrscheinlich hätten wir mit dem Velo den Weg durch die Stadt zum Busterminal gefunden, doch Houman insistiert und fährt uns wieder mit dem Auto voraus, begleitet von Maria und ihrer Schwester. Wir verabschieden uns herzlich und hoffen, in Kontakt zu bleiben. Vielleicht können wir unsere iranischen Gastgeber einmal in der Schweiz begrüssen und beherbergen. Das wäre schön.

Die Busreisen sind lang und anstrengend, obwohl wir dank Houmans Hilfe eine Gesellschaft mit neueren Bussen gefunden haben. Die Reise nach Tehran dauert von abends 9 Uhr bis 8 Uhr in der Früh. Diesmal wäre der Bus beinahe mit einem Velo und unserem ganzen Gepäck davongefahren, ohne dass wir Zeit gehabt hätten, fertig auszuladen. Glück gehabt!

Dann folgt eine lange Aufenthaltszeit in der unvorstellbar grossen Hauptstadt. Wir nutzen die Zeit, um uns eine iranische SIM-Karte zu beschaffen. Dank der Hilfe eines Apothekers, der unseren Wunsch und die Adresse der Telefongesellschaft auf einen Zettel in Farsi geschrieben hat, haben wir innert kurzer Zeit eine neue Telefonnummer. Die Leute im Büro sind sehr hilfsbereit und geben uns die Karte, obwohl wir nur die Visumskopien vorweisen und keine genauen Adressangaben machen können. Am Nachmittag um 3 Uhr fährt unser Bus nach Shiraz, wo wir ca. 12 Stunden später, das heisst mitten in der Nacht ankommen werden. Der Bus ist nur wenig besetzt, und die Atmosphäre mit den Chauffeuren und Begleitern fast familiär. Diesmal wurden unsere Velos sehr sorgfältig verstaut, und sie überstehen die Reise ohne Schaden zu nehmen.

Im Terminal von Shiraz hilft uns ein Arbeiter, den Weg in die Stadt zu finden. Wir fahren aufs Geratwohl ins Zentrum und klingeln bei einem Hotel, das wir im Reiseführer herausgesucht haben. Ein freundlicher Mann öffnet im Pyjama, zeigt uns einen Platz für die Velos und gibt uns die Schlüssel für unser Zimmer. Endlich angekommen, abladen, duschen, und schlafen…..

This entry was posted in Reiseberichte. Bookmark the permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar