Ausgeschlafen machen wir uns mit dem Fahrrad auf zu einer Erkundigungstour von Shiraz. Als wir am frühen Morgen vom Busbahnhof auf Hotelsuche ins Zentrum gefahren sind, schlief die Stadt noch und es hatte praktisch keinen Verkehr. Jetzt aber ist die fast Zweimillionen-Stadt in vollem Aufruhr. So liebe und sympatische Leute die Iraner im persönlichen Umgang sind, im Strassenverkehr kennen sie keine Rücksicht. Aber wir gewöhnen uns bald an die rauhen Sitten und können relativ gelassen das Spiel mitspielen. Schön für uns ist auch, dass sich niemand daran stört, wenn wir auf dem Trottoir fahren. Die Motorradfahrer nutzen diese Möglichkeit auch und sind für die Fussgänger das bedeutend grössere Übel. Einmal durchqueren wir sogar per Velo einen der Bazars, weil wir aus dem Strassengewirr der Altstadt nicht mehr herausfinden. Beim Besuch von Sehenswürdigkeiten finden wir auch immer wieder eine Lösung, um unsere Räder nicht allzu exponiert stehen zu lassen. Mal passt ein Ladenbesitzer mit einem Auge auf, mal können wir sie in den Eingangsbereich eines Museum stellen. Immer wieder kommt es zu erfrischenden persönlichen Begegnungen – neben all den unzähligen „Hello“ und „What’s your name“. Die Erkundigung von Shiraz per Velo macht wirklich Spass, trotz des berüchtigten iranischen Verkehrs. Beim Mausoleum von Hafez, dem iranischen Nationaldichter, treffen wir Ali, den ersten Radreisenden, dem wir seit unserem Start in der Türkei begenenen. Er ist Iraner und sein Alter ist kaum bestimmbar. Seine Ausrüstung ist durch viel Improvisationstalent gekennzeichnet. Stolz zeigt er uns den erst am Vortag eigenhändig reparierten Rahmenbruch. Periodisch überfällt ihn das Reisefieber, und dann tourt er jeweils für mehrere Monate durch den Iran. Auch wenn er fast kein Geld hat, findet er immer wieder jemanden, der ihm etwas abgibt. Seine Lebensphilosophie könnte fast aus einem Populärwerk der Psychologie stammen, basiert aber bei ihm auf gelebten Erfahrungen. So ist er unter anderem fest überzeugt, das sich Gutes tun immer früher oder später auszahlen wird. So teilt er auch grosszügig seine Essensreserven mit uns, auch wenn wir materiell viel besser dran sind als er. Umso mehr erstaunt uns, als wir erfahren, dass er während seines Militärdienstes zum Räumen von Minen aus dem iranisch-irakischen Krieg eingesetzt wurde und dabei viele seiner Kameraden verloren hat. Um nach derart traumatischen Erfahrungen eine so positive Lebeneinstellung beizubehalten finde ich ausserordentlich. Die Sehenswürdigkeiten von Shiraz reissen mich nicht gerade vom Stuhl. Es gibt ein paar schöne Gärten und ein paar Moscheen und eine Festung, aber überwältigend ist das alles nicht. Schade auch, dass es praktisch keine Cafés gibt, aus denen man das Leben auf der Strasse beobachten könnte. Rosa Maria fand viel Gefallen an der üppigen orientalischen Pracht vieler Bauwerke, oder im Gegensatz dazu die schlichte Kargheit der Vaksil-Moschee.
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