{"id":271,"date":"2010-10-15T17:12:46","date_gmt":"2010-10-15T17:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/?p=271"},"modified":"2010-11-04T20:46:30","modified_gmt":"2010-11-04T20:46:30","slug":"unser-retter-vom-velodrom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/blog\/2010\/10\/15\/unser-retter-vom-velodrom\/","title":{"rendered":"Unser Retter vom Velodrom"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fch am Montag fahren wir mit der Marshrutka von Sighnaghi nach Tbilissi. Unsere Zuversicht auf eine baldige L\u00f6sung ist in der Zwischenzeit wieder etwas gesunken. Am Vorabend trafen wir auf dem Heimweg vom Nachtessen einen Veloreisenden aus Dresden, der uns von Khvicha, dem Velomechaniker, nur Negatives zu berichten wusste. In Tbilissi eingetroffen, machen wir uns auf den Weg zum Velodrom, wo Khvicha seine Werkstatt hat. Der erste Anblick des Velodroms und der umliegenden Schuppen k\u00f6nnen unseren Mut auch nicht heben. Von Khvicha ist nichts zu sehen, daf\u00fcr kurvt in der Mitte des Velodroms ein Fahrlehrer mit seiner Sch\u00fclerin rum. Wir setzen uns auf die paar Plastiksessel der Trib\u00fcne und warten. Nach einer gewissen Zeit kommt die Fahrsch\u00fclerin auf uns zu und fragt auf Englisch, ob wir Khvicha suchen. Anscheinend existiert unser Mann doch, denn der Fahrlehrer hat seine Telefonnummer und versucht, ihn anzurufen. Aber vergeblich. So warten wir weiter. Um uns die Zeit zu vertreiben, suchen wir den McDonalds an der Marjanishvili-Metrostation auf, der als einzig vern\u00fcnftiges Men\u00fc ein WLAN anzubieten hat. Als wir nach ca. einer Viertelstunde wieder zum Velodrom kommen, ist Khvicha effektiv aufgetaucht. Aus seinem Gemisch aus Georgisch und Russisch, H\u00e4nden und F\u00fcssen entnehmen wir, dass Khvicha sowohl Trainer wie Mechaniker auf der stillgelegten Rennbahn war. Sodann \u00e4ussert er seine Wut \u00fcber den georgischen Pr\u00e4sidenten Sarkatchwili, der die aus dem Jahre 1886 stammende Rennbahn aus Geldmangel schliessen liess. Im jetzigen Zustand w\u00fcrde ein Rennvelo auf dem holprigen, mit Gras und B\u00fcschen \u00fcberwachsenen Belag kaum mehr als eine Runde \u00fcberleben, und Khvicha w\u00e4re mit den Reparaturen ein sicheres Einkommen als Mechaniker garantiert.<\/p>\n<p>Dann beginnt Khvicha zu zaubern: Zielstrebig f\u00fchrt er uns ans andere Ende des Ovals, \u00f6ffnet einen alten Schuppen und f\u00f6rdert mit sicherem Griff eine 36-Loch-Felge ans Tageslicht. Auch in der Schweiz sind diese Felgen nicht gerade \u00fcberall zu finden. Zur\u00fcck in der Werkstatt macht er uns als seri\u00f6ser Gesch\u00e4ftsmann einen Kostenvoranschlag. 500 US-$ schreibt er auf einen Zettel und wartet unsere Reaktion ab. Doch bevor wir zum Protestieren kommen, rundet er den Betrag auf ca. 40 $ ab und lacht verschmitzt dazu. Zur Beruhigung erw\u00e4hnt er, dass er einem fr\u00fcheren Schweizerkunden mit 1000 $ schockiert h\u00e4tte. Dann beginnt er mithilfe eines zuf\u00e4llig anwesenden Kunden die Felge einzuspeichen. Wir unterhalten uns in der Zwischenzeit mit einem emeritierten Schwergewichtsboxer, ebenfalls ein Radfahrer und Kunde von Khvicha. Dieser spricht Englisch und ein wenig Deutsch, da er drei Jahre in Frankfurt trainierte.<\/p>\n<p>Als es um die Feinzentrierung der Felge geht, stellt sich heraus, dass die Speichen zu lange sind. Inzwischen ist ein neuer Kollege von Khvicha eingetroffen, der die Felge wieder ausspeicht, w\u00e4hrend\u00a0er sich\u00a0in Tbilissi auf die Suche von k\u00fcrzeren Speichen macht. Ein neuer Kunde taucht auf. Wir radbrechen auf Englisch, aber dann stellt sich heraus, dass der junge Mann die italienische Schule in Tbilissi besucht hat, und so sind die Sprachprobleme behoben. Er erz\u00e4hlt uns sehr Interessantes aus der georgischen Geschichte, gibt uns aber auch viele touristische Geheimtipps zu Sehensw\u00fcrdigkeiten und Unterk\u00fcnften. Als Khvicha mit den Speichen zur\u00fcck kommt, wird auch dieser Kunde als Gehilfe eingespannt.\u00a0So kommen wir schlussendlich zum ersehnten, neuen Hinterrad f\u00fcr Rosa Maria. Khvicha, der uns den Eindruck eines sehr versierten und erfahrenen Mechanikers gemacht hat, meint schmunzelnd, das Rad w\u00e4re nun so perfekt rund, dass die Fahrerin ob des ruhigen Laufes auf dem Velo einschlafen w\u00fcrde. Sollte dennoch ein Problem auftauchen, st\u00fcnde er jederzeit zu unserer Verf\u00fcgung, um uns aus der Patsche zu helfen. Als er h\u00f6rt, dass wir seine Dienste im Internet anpreisen werden, strahlt er stolz.<\/p>\n<p>Hier noch seine korrekte Adresse: D. Uzdnaze st. 89, (erste Querstrasse rechts zur Marjanishvilistrasse auf dem Weg von der Metrostation zum Fluss). Mobiltelefon:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0+99599100459. <span style=\"color: #000080;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"mailto:cycling_georgia@yahoo.com\">cycling_georgia@yahoo.com<\/a><\/span><\/span>.<\/p>\n<p>Mit grosser Erleichterung und bereichert um ein paar weitere spannende Bekanntschaften machen wir uns mit dem neuen Rad auf die Suche nach dem Busbahnhof.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110807.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-275\" title=\"P1110807\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110807-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110807-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110807-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Der Eingang zum alten Velodrom von 1886<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110851.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-277\" title=\"P1110851\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110851-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110851-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110851-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Die Trib\u00fcne steht zwar noch, doch wird sie h\u00f6chstens von wartenden Fahrsch\u00fclerInnen genutzt<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110814.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-281\" title=\"P1110814\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110814-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110814-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110814-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Oval der ehemaligen Velorennbahn<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110821.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-280\" title=\"P1110821\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110821-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110821-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110821-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Auch in Georgien l\u00e4uft (fast) nichts ohne Mobiltelefon. \u00dcber der T\u00fcre Khvichas Name auf Georgisch<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110824.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-279\" title=\"P1110824\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110824-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110824-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110824-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Khvicha mit seinem Kunden und Helfer<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110836.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-278\" title=\"P1110836\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110836-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110836-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110836-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Zwecks einfacherer \u00dcbertragung der Speichen vom alten aufs neue Rad\u00a0wurden die zwei Felgen miteinander verbunden. \u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110859.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-282\" title=\"P1110859\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1110859-e1287162628480-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"853\" 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