{"id":252,"date":"2010-10-15T09:54:22","date_gmt":"2010-10-15T09:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/?p=252"},"modified":"2010-11-02T13:39:23","modified_gmt":"2010-11-02T13:39:23","slug":"panne-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/blog\/2010\/10\/15\/panne-2\/","title":{"rendered":"Panne"},"content":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Nachmittag kamen wir in Telavi, der gr\u00f6ssten Stadt der Region an. Wir bezogen unser Logis bei einer \u00e4lteren Dame namens Sophia. Sie bot uns ihr grossz\u00fcgiges Schlafzimmer an und \u00fcbernachtete dann selber auf dem Sofa im Wohnraum.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag machen wir einen Abstecher zum Chavchavdnaze-Museum in Tsinandali. Hauptmotivation zur Besichtigung ist die Sammlung alter Fotos des edlen Chavchavdnaze. Diesem wurden im 19. Jahrhundert w\u00e4hrend eines \u00dcberfalls von Dagestaner R\u00e4uberbanden Frauen und Kinder entf\u00fchrt. Dazu muss man wissen, dass die Dagestaner auf dem Hin- und R\u00fcckweg\u00a0den Hohen Kaukasus\u00a0\u00fcbequeren mussten. Um das verlangte L\u00f6segeld aufzubringen, musste er sein riesiges Weingut verpf\u00e4nden. Die Entf\u00fchrten kamen zwar zur\u00fcck, doch das Pfand konnte er dann sp\u00e4ter nicht mehr zur\u00fcckzahlen. Fotos zum Thema gab es in der Ausstellung jedoch nur wenige, daf\u00fcr erfahren wir von der fliessend Deutsch sprechenden F\u00fchrerin vieles \u00fcber die Geschichte dieses Edelmannes und Sch\u00f6ngeistes. Das Gut war ein Geschenk des georgischen K\u00f6nigs. Ob er die 1200 Leibeigenen zu dessen Bewirtschaftung als Beigabe bekam oder ob er sie auf dem freien Markt selber erwarb, ist nicht klar. Mit dieser kleinen Anschubfinanzierung konnte er jedoch einen standesgem\u00e4ssen Lebenswandel f\u00fchren. Er pflegte Beziehungen zur Haute Vol\u00e9e in Russland und Europa. Gleichzeitig modernisierte er den georgischen Staat, was das auch immer heissen mag.<\/p>\n<p>A propos Raubz\u00fcge \u00fcber den Kaukasus hinweg: Schon vor dem modernen Kapitalismus war es g\u00e4ngige Tradition, sich den Reichtum &#8211; anstatt durch Arbeit &#8211; durch Raubz\u00fcge zu verschaffen. Gef\u00e4hrdet waren prim\u00e4r St\u00e4dte und Gemeinschaften, bei denen es etwas zu holen gab. So wurden in der ganzen Gegend St\u00e4dte mit Befestigungsmauern umgeben und in den kleineren D\u00f6rfern wurden T\u00fcrme errichtet, wohin sich die Leute bei Gefahr zur\u00fcckziehen konnten. Sighnaghi, das Ziel unserer Reise, r\u00fchmt sich, die l\u00e4ngste Mauer nach der chinesischen zu haben!<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckkehr offerieren uns Sophia und Tochter Marina Brot, K\u00e4se und Wein. Er schmeckt uns sehr gut. Sein Aroma erinnert an die Americano-Trauben (Chatzeseicherli), wie sie im Tessin wachsen.\u00a0Rosa Maria kocht zum\u00a0Znacht Risotto mit geraffelten R\u00fcebli und K\u00e4se aus dem Duisital.<\/p>\n<p>Am anderen Morgen besuchen wir das Tourismusb\u00fcro. Eine sehr freundliche junge Frau telefoniert f\u00fcr uns nach Sighnaghi (das \u201egh\u201c wird wie ein franz\u00f6sisches \u201er\u201c ausgesprochen) und reserviert f\u00fcr uns ein Zimmer in Nanas Guesthouse.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fahren wir bei Regen los. In kontinuierlichem Auf und Ab geht es Richtung Sighnaghi. Der Regen l\u00e4sst nach, aber dann passiert das Ungl\u00fcck: Die Felge am Hinterrad von Rosa Maria streift. Mit Entsetzen stellen wir fest, dass die Felgenflanke ein St\u00fcck weit aufgerissen ist. So k\u00f6nnen wir nicht mehr lange weiterfahren. F\u00fcr den Schlussanstieg zum hoch \u00fcber dem Tal gelegenen Sighnaghi reicht es gerade noch.<\/p>\n<p>In Nana&#8217;s Guesthouse, beziehen wir ein kaltes Eckzimmer mit vielen Fenstern auf den Platz. Der Zugang erfolgt \u00fcber die Veranda im 1. Stock, die Velos stehen in ihrem Souvenirshop hinter dem Ladentisch. Dank einem elektrischem Ofen, den wir aus der \u201eBibliothek\u201c entwenden, werden unsere total verschwitzten Kleider doch noch trocken.<\/p>\n<p>Beim Nachtessen lernen wir Barbara und Brad aus Vancouver (Kanada) kennen, beide etwas \u00e4lter als wir. Sie haben vorher Armenien bereist und uns von ihren zwei abenteuerlichen Reisen durch Aethiopien erz\u00e4hlt. Mit ihnen haben wir vereinbart, dass wir uns f\u00fcr 100 Lari (ca. 55 CHF) ein Taxi f\u00fcr einen Tagesausflug nach Davit Gareja teilen wollen.<\/p>\n<p>Bei der anschliessenden Suche im Internet finden wir die wahrscheinlich einzige gute Adresse in Tbilissi, um eine neue Felge f\u00fcr mein Velo zu bekommen: Ein Mann namens Ronicha oder Khvicha soll im alten Velodrom eine Werkstatt haben. Wir werden am Montag mit dem ersten Sammeltaxi nach Tbilissi fahren und das Hinterrad mit der defekten Felge mitnehmen. Wir hoffen, dass wir noch am gleichen Tag mit der neuen Felge, frisch eingespeicht, wieder zur\u00fcck nach Sighnaghi kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Nachmittag kamen wir in Telavi, der gr\u00f6ssten Stadt der Region an. Wir bezogen unser Logis bei einer \u00e4lteren Dame namens Sophia. Sie bot uns ihr grossz\u00fcgiges Schlafzimmer an und \u00fcbernachtete dann selber auf dem Sofa im Wohnraum. Am &hellip; <a href=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/blog\/2010\/10\/15\/panne-2\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,4,3],"tags":[],"class_list":["post-252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-begegnungen","category-material","category-reiseberichte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=252"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":577,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252\/revisions\/577"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}