{"id":172,"date":"2010-10-04T10:45:55","date_gmt":"2010-10-04T10:45:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/?p=172"},"modified":"2010-11-04T20:15:36","modified_gmt":"2010-11-04T20:15:36","slug":"erkundigungen-im-pankisital","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/blog\/2010\/10\/04\/erkundigungen-im-pankisital\/","title":{"rendered":"Erkundigungen im Pankisital"},"content":{"rendered":"<p>Von unserem Guesthouse in Duisi unternehmen wir mehrere Velo-Ausfl\u00fcge in die n\u00e4here Umgebung. Gest\u00e4rkt von den \u00fcppigen Fr\u00fchst\u00fccken h\u00e4tten wir ausreichende Reserven, um den Hohen Kaukasus zu \u00fcberqueren. In den D\u00f6rfern die wir durchqueren fallen die zum Teil ausserordentlich elegant gekleideten Frauen auf. Sie tragen traditionelle Kleider, aber die farbenfrohen Stoffe und die langen, enganliegenden R\u00f6cke, die ihre schlanken K\u00f6rper zur Geltung bringen, entsprechen \u00fcberhaupt nicht unserem Bild von muslimischen Frauen. Auffallend ist auch ihr Selbstbewusstsein: Sie versuchen nicht krampfhaft jeden Blickkontakt zu vermeiden und erwidern auch Begr\u00fcssungen oder sie antworten auf Fragen. Dieses unseren Clich\u00e9s widersprechende Verhalten ist eine Folge der sufistischen Form des Islams, welche hier gelebt wird. Es passt auch zu der Aussage, dass sich die muslimischen Khisten st\u00e4rker ihrer Traditionen als ihrer Religion verpflichtet f\u00fchlen.\u00a0<\/p>\n<p>Wegen der grassierenden Arbeitslosigkeit sieht man auch h\u00e4ufig Gruppen junger M\u00e4nner, die zusammen ihre Zeit totschlagen. Wie man uns erz\u00e4hlt, m\u00fcssen viele junge Georgier ins Ausland gehen, um Arbeit zu finden. Erstaunlicherweise auch nach Tschetschenien oder ins \u00fcbrige Russland, trotz der immer noch herrschenden Feindseligkeiten zwischen Georgien und Russland. Die H\u00fcrde liegt jedoch mit den Kosten von 1300 $ f\u00fcr ein russisches Visum sehr hoch.\u00a0<\/p>\n<p>Die Kinder sind wie \u00fcberall sehr neugierig, jedoch im Gegensatz zu den meisten \u00fcbrigen Drittweltl\u00e4ndern eher scheu und unaufdringlich. Die \u201ehello mister\u201c und \u201ehow are you\u201c h\u00f6ren wir sehr sp\u00e4rlich.\u00a0<\/p>\n<p>Die tschetschenischen Fl\u00fcchtlinge, die immer noch im Tal leben, fallen uns kaum auf. Vielleicht sind es die st\u00e4rker verh\u00fcllten Frauen oder die exotischer aussehenden jungen M\u00e4nner. Anders als anfangs der 2000er Jahre ist ihr Fl\u00fcchtlingsanteil bedeutend kleiner \u2013 eine Folge der abgeflauten K\u00e4mpfe und der st\u00e4rker bl\u00fchenden tschetschenischen Wirtschaft, die viele Leute zur Heimkehr bewogen hat. Die Zeiten, als das Pankisital ein vermeintlicher Hort des internationalen Terrorismus war, sind vorbei, wenn es sie \u00fcberhaupt je gegeben hat.\u00a0<\/p>\n<p>Da fr\u00fcher im Pankisital Moslems und Christen zusammenlebten &#8211; heute sind erstere in der grossen Mehrheit &#8211;\u00a0befinden sich Moscheen und Kirchen in enger Nachbarschaft. Die Wohnh\u00e4user sind vielfach sehr grossz\u00fcgig gebaut, aber wegen der grossen Armut in einem sehr kl\u00e4glichen Zustand. Im zweist\u00f6ckigen Haus unserer Gastgeber gibt es auch im Obergeschoss Lavabos und WC&#8217;s, aber der Druck der kommunalen Wasserversorgung ist so gering, dass das Wasser nur im Hof aus einem einzigen Hahn auf Bodenniveau sp\u00e4rlich herausfliesst. Gr\u00f6ssere Mengen werden aus dem eigenen Ziehbrunnen im Garten geholt. Die grossen G\u00e4rten, welche die H\u00e4user umgeben, machen die Familien bez\u00fcglich ihrer Versogung mit Gem\u00fcsen, Fr\u00fcchten und Gefl\u00fcgel weitgehend autark, so dass man in den Lebensmittelgesch\u00e4ften kaum diese Produkte finden kann (sehr zu unserem Leidwesen, wenn wir f\u00fcr unterwegs darauf angewiesen w\u00e4ren).\u00a0<\/p>\n<p>Mary (12) und Bugo (10) sind die Kinder von Badis Tochter. Sie wohnen seit ein paar Monaten hier im Haus, d.h. Nata sorgt f\u00fcr sie. Ihre Mutter Duna wohnt im letzten Dorf des Tales, bei ihrem Schwiegervater. Der Vater der Kinder musste weit weg, um Arbeit zu finden. Sie seien sehr arm. Duna werde in den n\u00e4chsten Tagen ebenfalls hierher kommen, zusammen mit ihrer kleinsten Tochter Diana. Wenn der Vater Ende Oktober nachhause kommt, werden sie in ein 3-Zimmer-H\u00e4uschen in ihrem Dorf ziehen. Doch bis dann scheint sich Nata um die Schwester ihres Mannes und deren Kinder zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Einer unserer Ausfl\u00fcge f\u00fchrte uns in eine Schlucht am Fusse des grossen Kaukasus. Da in dieser Region immer noch B\u00e4ren leben, war uns schon ein wenig mulmig zu Mute. Wenn wir auf einen Kothaufen trafen, stellten wir immer Vergleiche mit Erinnerungen vom B\u00e4rengraben an. Die Unsicherheit f\u00fchrte Rosa Maria und mich gar dazu, gemeinsam schweizerische und italienische Volkslieder zu singen, was bekanntlich auf B\u00e4ren (und vielleicht nicht nur auf diese) abschreckend wirkt.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100817.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"P1100817\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100817-1024x680.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"425\" \/><\/a>\u00a0<\/p>\n<p><em>An diesem Herd in der &#171;Sommerk\u00fcche&#187; kocht Nata die Mahlzeiten f\u00fcr Familie und G\u00e4ste.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100784.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"P1100784\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100784-e1286190363295-680x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"963\" \/><\/a>\u00a0<\/p>\n<div class=\"mceTemp\"><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1010139.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-488\" title=\"P1010139\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1010139-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1010139-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1010139-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/div>\n<p><em>&#8230; stammt das wohl von einem B\u00e4ren?<\/em>\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100733.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"P1100733\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100733-1024x680.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"425\" \/><\/a>\u00a0<\/p>\n<p><em>Nata, Rosa Maria, Badi<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100847.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"P1100847\" src=\"http:\/\/www.blog.ismus.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1100847-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Grosse W\u00e4sche, ohne Waschmaschine, ohne fliessendes Wasser<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von unserem Guesthouse in Duisi unternehmen wir mehrere Velo-Ausfl\u00fcge in die n\u00e4here Umgebung. 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