{"id":640,"date":"2011-04-24T15:56:01","date_gmt":"2011-04-24T15:56:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/?p=640"},"modified":"2011-05-19T16:37:29","modified_gmt":"2011-05-19T16:37:29","slug":"abruptes-ende-unserer-fahrt-durch-die-provinz-kerman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/2011\/04\/24\/abruptes-ende-unserer-fahrt-durch-die-provinz-kerman\/","title":{"rendered":"Abruptes Ende unserer Fahrt durch die Provinz Kerman"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem deftigen Fr\u00fchst\u00fcck mit einer dicken Haferschleimsuppe fahren wir aus der Stadt Shahrebabak heraus, immer auf die Sonne zu nach Osten. Erst lang und langweilig in der eint\u00f6nigen Ebene, dann langsam steigend auf die H\u00f6he von Meymand, welches auf ca. 2250 m.\u00fc.M. liegt, d.h. wir m\u00fcssen ca. 500 H\u00f6henmeter bew\u00e4ltigen, was bei der schon recht grossen Hitze f\u00fcr mich schwierig ist. Ausserdem ist mir schon den ganzen Vormittag \u00fcber halb schlecht. Obwohl Meymand eine Sackgasse ist und wir die ca. 10 km wieder werden zur\u00fcckfahren m\u00fcssen, will ich nicht aufgeben. Ich m\u00f6chte wissen, wie es f\u00fcr mich ist, eine relativ grosse Anstrengung unter diesen Umst\u00e4nden auf mich zu nehmen. Und ich habe es geschafft. Das ist eine gute Erfahrung f\u00fcr mich. Doch der Ort selber w\u00e4re es nicht der M\u00fche wert gewesen. In Kappadokien haben wir viel sch\u00f6nere solcher Felsend\u00f6rfer gesehen. Im Ort hat es viele iranische Ausfl\u00fcgler, da es Freitag (d.h. f\u00fcr sie arbeitsfrei) ist. Neugierig werden wir wahrgenommen. Ein Mann bringt uns eine B\u00fcchse voll k\u00f6stlicher Pistazien aus Rafsanjan. Wir erfahren, dass dort die besten Pistazien wachsen.<br \/>\nWir sind m\u00fcde, trinken eine grosse Flasche k\u00fchle Orangenlimonade und verlassen das Dorf wieder. Auf dem R\u00fcckweg kommt uns der Lehrer der Sch\u00fclerinnen aus Pasargard im Auto entgegen. Er und seine Frau laden uns zu Tee, Fr\u00fcchten und Guetzli unter einem Baum ein. Sie k\u00f6nnen oder wollen nicht verstehen, dass wir im Zelt und nicht bei ihnen \u00fcbernachten wollen. Er schl\u00e4gt vor, dass er die restlichen 80 km zu ihrem Dorf langsam im Auto vorausf\u00e4hrt, so dass wir ihm mit den Velos folgen k\u00f6nnen. Sie nehmen unsere Ablehnung einfach nicht an. Da beide sehr wenig Englisch sprechen, ist die Verst\u00e4ndigung schwierig. Wir hoffen, dass sie uns bald verlieren, doch sie warten immer wieder am Strassenrand auf uns. Eigentlich wollten wir auf einer Nebenstrasse \u00fcber Purkan weiterfahren. Doch der Lehrer \u00fcberrumpelt uns und leitet uns zur\u00fcck auf die Strasse Richtung Westen bis kurz vor Shahrebabak, wo wir am Morgen gestartet sind. Die andere Strasse sei nicht asphaltiert, was ich fast nicht glauben kann. Nach ca. 50 km kommen wir endlich in die N\u00e4he eines Dorfes. Wir wollen in Khatunabad Wasser und Gem\u00fcse kaufen und bald einen Platz f\u00fcrs Zelt suchen. Doch am Dorfeingang stoppt uns die Polizei und zwingt uns mit r\u00fcden Gesten zum Umkehren.\u00a0 Wir verstehen nicht, warum. Wir haben keine andere Wahl als nachzugeben und umzukehren. Bei der Tankstelle am anderen Dorfrand zweigen wir wieder ab. Wir wollen mindestens unseren Wassersack f\u00fcllen. Doch schon hat uns die Polizei entdeckt und schickt uns wieder fort. Wasser k\u00f6nnen wir laut protestierend doch noch auff\u00fcllen. Wir machen uns wieder auf den Weg. Ich m\u00f6chte mich irgendwo so schnell als m\u00f6glich in unser Zelt verkriechen k\u00f6nnen und schlafen. Kaum sind wir auf der Autostrasse, \u00fcberholt und stoppt uns die unfreundliche Streife wieder, diesmal zusammen mit einem Pickup, auf welchen wir dann wenig sp\u00e4ter samt unseren Velos verfrachtet werden. All diese Aktionen beobachten der Lehrer und seine Frau aus kleiner Distanz. Wir wissen nicht, was ihre Rolle ist: ob sie die Polizei auf uns aufmerksam gemacht haben oder ob sie vermitteln wollen. Klar ist, dass uns das Weiterfahren mit dem Velo und das \u00dcbernachten im Zelt hier verboten ist. Die Polizisten erwarten wohl, dass wir nun ins Dorf des Lehrers transportiert werden. In der Abendd\u00e4mmerung \u00fcberqueren wir den Bergzug zwischen Sirjan und Rafsanjan. Obwohl es sehr anstrengend gewesen w\u00e4re, tut es uns leid, dass wir in dieser sch\u00f6nen und eindr\u00fccklichen Gebirgslandschaft nicht Velofahren k\u00f6nnen. Allerdings wird die Sch\u00f6nheit durch riesige Kupferminen getr\u00fcbt. Fast apokalyptisch wirken die rauchenden Kaminschlote und die Fabriken. Als uns die Fahrer fragen, ob wir hier aussteigen oder bis zur n\u00e4chsten grossen Stadt mitkommen wollen, f\u00e4llt uns die Antwort leicht. Inzwischen ist es auf der Br\u00fccke neben den Velos empfindlich k\u00fchl geworden. In Rafsanjan kommen wir an, als es schon dunkel ist. Am Strassenrand neben einem Park beladen wir die Velos wieder und machen uns auf die Suche nach einem Hotel. Wir haben Gl\u00fcck und finden f\u00fcr 40$ ein wirklich gutes modernes Hotel, das wahrscheinlich von einer staatlichen Tourismusorganisation gef\u00fchrt wird. Kaum haben wir unser Gep\u00e4ck ins Zimmer gebracht, wird Reto zur Reception gebeten. Die Polizei hat offensichtlich bereits Kunde von unserer Ankunft in der Stadt bekommen und will unsere Pl\u00e4ne bez\u00fcglich Weiterreise erfahren. Vorl\u00e4ufig verzichten wir wohl besser aufs Velofahren und Campieren.<br \/>\nUnser Zimmer ist gross und sauber, auch das Bad. Wir haben sogar eine Klimaanlage! Da wir uns hier gerne ein wenig verw\u00f6hnen wollen, bleiben wir zwei Tage. Von der Stadt selber sehen wir nur wenig. Wir fahren zwar \u00fcber 20 km in der Stadt herum und suchen ausser dem Busterminal ein Internetcafe, doch werden wir aus der Stadt nicht recht schlau. Wir haben den Eindruck, dass wir uns in einer Grossstadt immer nur an der Peripherie bewegen (so wie wenn man von Z\u00fcrich nur Altstetten s\u00e4he). Am zweiten Abend finden wir dann endlich das Coffeenet \u2013 so sagen sie hier den Lokalen mit Internet-PCs. Nach kurzer Zeit schon l\u00e4dt uns der Besitzer, ein sehr d\u00fcnner, \u00e4lterer, eleganter Mann zum Abendessen ein. Er wohne im gleichen Geb\u00e4ude und wir k\u00f6nnten dort auch schlafen. Wir nehmen die Einladung zum Essen an, in der Meinung, dass das Nachtessen bereit ist, wenn der Mann am Feierabend nachhause kommt. Doch dann erfahren wir, dass seine Frau nicht zuhause ist und dass er seine Schwester gebeten hat, f\u00fcr uns zu kochen. Er selber hilft tatkr\u00e4ftig in der K\u00fcche mit. Die Wohnung ist gross und sch\u00f6n eingerichtet. Das Wohn- und Esszimmer ist riesig im Vergleich zu unseren Verh\u00e4ltnissen. Inzwischen ist auch seine halberwachsene Tochter zusammen mit einer Freundin nachhause gekommen. Sie spricht recht gut englisch, und so k\u00f6nnen wir uns \u00fcber sie ein wenig unterhalten. Von ihrem Vater h\u00f6ren wir, dass sie die j\u00fcngste seiner Kinder sei und er sie ein wenig verw\u00f6hne. Sie fahre so gerne Velo, doch inzwischen, darf sie das nur noch im Hof. In Iran d\u00fcrfen Frauen zwar Auto fahren, nicht aber Velo oder Motorrad. Nach etwa zwei Stunden ist dann das Essen bereit. Wir werden gefragt, ob wir lieber an einem Tisch essen m\u00f6chten, was ich sehr gerne annehme, da mich oft die Knie schmerzen, wenn ich lange am Boden sitze. (Bis jetzt haben wir \u2013 ausser bei Houman und Maria in Urmia &#8211; in allen iranischen Familien am Boden gegessen.)\u00a0 Alle Gerichte sind f\u00fcr jede Person liebevoll in kleinen Schalen angerichtet. Als wir nach dem Essen, das uns sehr gut geschmeckt hat, aufbrechen wollen, wiederholt der Mann seine Einladung zum \u00dcbernachten. Doch wir lehnen ab. Ich glaube, er versteht, dass wir unser ganzes Gep\u00e4ck im Hotel haben und am folgenden Tag fr\u00fch mit dem Bus nach Kerman weiterreisen werden.<br \/>\nDer Mann ist mir mit seiner freundlichen Art sympathisch. Irgendetwas an ihm erinnert mich an meinen Vater, vielleicht ist es seine feine Art zu l\u00e4cheln. Es tut mir leid, dass wir kein auch noch so kleines Geschenk f\u00fcr ihn oder seine Tochter dabei haben. Wir bedanken uns mit Worten und Gesten herzlich und verabschieden uns.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-642\" href=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/2011\/04\/24\/abruptes-ende-unserer-fahrt-durch-die-provinz-kerman\/p1140434_persepolis_zoroastergott\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-642\" title=\"P1140434_Persepolis_Zoroastergott\" src=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140434_Persepolis_Zoroastergott-512x221.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140434_Persepolis_Zoroastergott-512x221.jpg 512w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140434_Persepolis_Zoroastergott-300x130.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-643\" href=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/2011\/04\/24\/abruptes-ende-unserer-fahrt-durch-die-provinz-kerman\/p1140436\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-643\" title=\"P1140436\" src=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140436-512x384.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140436-512x384.jpg 512w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140436-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-641\" href=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/2011\/04\/24\/abruptes-ende-unserer-fahrt-durch-die-provinz-kerman\/p1140442\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-641\" title=\"P1140442\" src=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140442-512x287.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"287\" srcset=\"http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140442-512x287.jpg 512w, http:\/\/blog.ismus.ch\/wordpress\/iran\/files\/2011\/05\/P1140442-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><br \/>\n<em>&#8230;leicht verbissen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem deftigen Fr\u00fchst\u00fcck mit einer dicken Haferschleimsuppe fahren wir aus der Stadt Shahrebabak heraus, immer auf die Sonne zu nach Osten. 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